Pressebericht

Der unsichtbare rote Teppich wird ausgerollt

Hohenloher Zeitung – 04.Juni 2012

Kurzweiliger Empfang im Kocherfreibad vor der Premiere des Brecht-Stücks „Der kaukasische Kreidekreis

18 Uhr, und die Sonne kam hervor. Wie passend. Der rote Teppich war nicht ausgerollt worden, aber irgendwie lag er doch da. Zumindest in der Vorstellung mancher Besucher. Karl Wunderlich, Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister von Künzelsau, stellte beim Blick in die Runde fest: „Alles da, was Rang und Namen hat“. Und so war es nur logisch, dass auch er und seine Gattin Edeltraude da waren. Munter plauderten sie mit Thomas Kleve vom Hohenloher Kunstverein. Das Künzelsauer Kocherfreibad brummte wie der sprichwörtliche Bienenkorb. Der Verein Theater im Fluss hatte am Freitag vor der Premiere des Brecht-Stücks „Der kaukasische Kreidekreis“ zum Empfang geladen.

Häppchen

Die Lachs-, Wurst- und Käsehäppchen fanden reichlich Abnehmer. Ein Stückchen weiter brutzelte auf offenem Feuer „kaukasischer Spieß“ mit Putenfleisch, und in den Grillrauch hinein spielten die Ewood Brothers Jazz. Und weil es so viele Menschen waren, waren natürlich auch das Deutsche Rote Kreuz und die DLRG vor Ort. Dem Vernehmen nach hatten die Helfer aber nichts zu tun. Was ja auch gut ist.

Der 1. Vorsitzende von Theater im Fluss, Heiner Sefranek, war viel gefragter Gastgeber, begrüßte seinen Vater Albert (92), Polizeichef Richard Diesch, den Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Werner Gassert, den Landtagabgeordneten Arnulf von Eyb, der später auch noch eine kurze Ansprache hielt und als Jurist verriet, dass das Stück, das gezeigt werde, juristische Fragen „auf eine menschliche Weise“ löst, Bürgermeister Stefan Neumann – trotz Urlaub ebenfalls als Redner vor Ort -, Amtsvorgänger Volker Lenz, die Unternehmer Fritz Müller und Helmut Sigloch, Kocherqueen Ruth Balbach, die angeregt mit Dieter Bäumlisberger plauderte sowie weitere Stadträte, Bürger, Journalisten und Volk. Gesellschaftliche Ereignisse gibt es in Künzelsau nicht allzu viele. Das hier war zweifelsohne eines. Heiner Sefranek konnte seine Nervosität vor der Aufführung kaum verbergen. Er wusste, dass die Aufführung „Geschichten aus dem Wiener Wald“ im Vorjahr die Messlatte für dieses Jahr hoch gelegt hatte. Im Ensemble sind viele neue Mitglieder. Es gab Bewegung. Wie auch ein Fluss sich bewegt. Arnulf von Eyb zitierte sehr passend ein chinesisches Sprichwort: „Niemand steigt zweimal in den selben Fluss.“ „Glaubwürdigkeit der Rolle und Interaktion ist das Wichtigste“, sagt Heiner Sefranek über Schauspielerei. Regisseur Franz Bäck sagt das bei Proben so: „Spiel nicht so.“

Anspannung

Dann wird es ernst. Die Schauspieler sammeln sich vor der Bühne, probieren ihre Mikrophone aus. „Fangt an“, ruft der Regisseur mit Kommandostimme. Als nicht alle Zuschauer ihre Plätze einnehmen, scherzt Franz Bäck: „Wollt ihr nur essen oder auch gucken?“ Er sprüht jetzt vor Energie. Er wendet sich vom Publikum ab und den Schauspielern zu. „Macht sie nass!“ sagt er beschwörend. Es geht los.

Autor: Henry Doll