Pressebericht

Feinschliff für den „Faust“

HZ, 31. Mai 2024

Feinschliff für den „Faust“

KÜNZELSAU Probenbesuch beim Theater im Fluss, eine Woche vor der Premiere von Goethes Klassiker im Kocherfreibad

Singend schlendern die Schauspieler mit Bier und Bollerwagen vor die große Zuschauertribüne am Ufer des Kochers. In nur einer Woche warten hier die herausgeputzten Premierengäste gespannt auf die In- szenierung von Goethes „Faust“. Doch heute ist das Ensemble vom Künzelsauer Theater im Fluss noch unter sich. Und es ist schnell klar, dass es keine volle Tribüne braucht, damit diese nicht leer und unnütz herumsteht. Regisseur Thomas Höhne geht darauf auf und ab, wie ein Bergsteiger erklimmt er deren Höhen und Niederungen. Auch den metallenen Klangkörper weiß er zu nutzen, wenn er vehement mit dem Stiefel stampft, um seiner Idee für das Spiel in einer Szene Nachdruck zu verleihen. Der nächste Versuch: „Viel besser!“

Eine Woche bevor es ernst wird, ist Feinschliff angesagt. An diesem Probeabend stehen Massenszenen, wie etwa „Vor dem Tor“, auf dem Programm. Viele Herausforderungen birgt das. Sprecheinsätze Einzelner können leicht im Getöse der Szene untergehen, müssen deshalb umso pointierter und selbstbewusster vorgetragen werden. „Ihr dürft Euch nicht in der Menge verstecken“, sagt Höhne.

Auch wer in einer Szene gerade keinen aktiven Part hat, muss in der Rolle bleiben, die Konzentration hochhalten, darf nicht unbeteiligt herumstehen und den anderen beim Spiel zusehen. Höhne korrigiert die Positionen – „bitte nicht alle sitzen, das sieht todlangweilig aus“ – oder mahnt an, „akzentuierter und mit mehr Mut“ zu sprechen. Aus dem Off meldet sich Techniker Lucas Koffler: „Schaut, dass Eure Mikrofone richtig sitzen, Ihr klingt heute echt besch…“. Gelächter.

Zeit

Insgesamt ist Thomas Höhne zufrieden mit den Fortschritten sei- ner Truppe. Wenn es auf die Spielzeit zugehe, „hat man immer das Gefühl, mehr Zeit wäre schön“, denn „es gibt noch viel zu tun“. Dass das in der verbleibenden Zeit zu schaffen ist, daran hat er keinen Zweifel. Letztlich ist ihm wichtig, dass „wir unseren Faust finden“, die passende Lesart „für das Ensemble, diesen Spielort und mich als Regisseur“. Wie auch bei Shakespeares „Sommernachtstraum“ im vergangenen Jahr, interessiert sich Thomas Höhne für die Gründe, warum ein Stück eine gewisse Popularität genießt, will dessen Reiz nachspüren. Für maßgeblich in Goethes Tragödie hält er den Dreiklang aus „intellektueller Dichtung, der Frage nach dem Sinn des Lebens und einer starken Geschichte, die Liebe, Krimi und Fantasy“ vereint.

Wetter Die größte Herausforderung der aktuellen Probenphase, da sind sich Schauspieler und Regisseur einig, war und ist das Wetter.

Häufiger Regen hat dafür gesorgt, dass man nicht oft draußen proben konnte. Der städtische Bauhof half am Mittwoch noch dabei, den mat- schigen Boden mit Holzhackschnitzeln wieder einigermaßen begehbar zu machen. Auch an diesem Abend verkünden unheilschwanger heranziehende, dunkle Wolken nichts Gutes – und sorgen schließlich nach nur einer Stunde Probe für einen sat- ten Regenguss. Höhne sieht es pragmatisch: „Draußen zu spielen, ist be- sonders. Es ist ja Sinn des Ganzen, die Natur in das Spiel mit einzubeziehen und sozusagen eine Symbiose zwischen Literatur, Landschaft und Wetter herzustellen.“ Je nach Wetter könne dabei eine ganz andere Wirkung entstehen. Dennoch ist die Hoffnung aller nicht nur, dass mit dem Start der Saison der Text sitzt, sondern dass auch das Wetter endlich beständiger wird.

Termine

Das Theater im Fluss Künzelsau spielt 2024 Johann Wolfgang von Goethes „Faust – eine Tragödie“. Nach William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ ist es für Re- gisseur Thomas Höhne die zweite Saison im Kocherfreibad. Premiere mit zugehörigem Empfang ist am kommenden Mittwoch, 5. Juni, um 18 Uhr. Weitere Termine sind am 7., 8., 13., 15., 20., 21., 22., 26., 28. und 30. Juni. Im Juli wird nochmals am 3., 5. und schließlich am 6. Juli gespielt.

Infos und Karten unter www.theater-im-fluss.com.

HZ, Tamara Ludwig